Air Explore-We fly for our passengers

Bratislava am frühen Morgen des 27.
Juni 2011. Die Sonne scheint vom Himmel, als ich verschlafen um halb neun Uhr
früh vor der Adresse Kupeckeho Nr. 3 ankomme. Bei dem
Haus in Zentrumsnähe handelt es sich augenscheinlich um ein Mietshaus aus den
sechziger Jahren. Niemand würde vermuten, dass sich im dritten Stock des
Gebäudes die Büros der größten slowakischen Fluglinie befinden. Nur ein kleines
Firmenschild am Eingang weißt darauf hin, dass hier eine Airline ihren
Firmensitz hat, die Air Explore s.r.o.
Vor etwas
mehr als einem Jahr stand ich erstmals hier an dieser Adresse. Im April des
vergangenen Jahres begann Air Explore mit dem
Flugbetrieb und ich wollte mehr über das neue Unternehmen in Erfahrung bringen.
Gegründet wurde die Gesellschaft von Martin Stulajter,
einem damals erst 26jährigen Luftfahrtprofi der heute als Geschäftsführer und
Mitbesitzer agiert. Mit seinem jugendlichen Alter von nur 26 Jahren dürfte
Martin Stulajter der jüngste Airline Eigentümer/CEO in Europa sein. Der Gründung voraus
gegangen war der Zusammenbruch der gesamten slowakischen Luftfahrtindustrie.
Airlines wie Skyeurope, Air Slovakia
oder Seagle Air mussten innerhalb kürzester Zeit
ihren Konkurs anmelden.
Die Zeit war
reif für ein neues Luftfahrtunternehmen, eine Airline die sich auf Nischenmärkte konzentriert und nicht ihr
Glück im Linienbetrieb sucht. Dem Geschäftstüchtigen jungen Martin Stuljater, der seine Karriere als 19jähriger Stationsleiter
begann und sich innerhalb weniger Jahre zum Operation Manager bei Seagle Air hinaufgearbeitet hatte, war es gelungen,
slowakische Investoren und den bulgarischen Airline Broker TITAN von seinem
Konzept einer Charterairline zu überzeugen. Eine neue Fluggesellschaft war geboren,
die Air Explore (AXE). Heute mehr als ein Jahr nach
Start der Airline, freut sich Martin Stulajter über
56.000 beförderte Passagiere. Diese konnten hauptsächlich aus Charter & ACMI (Aircraft-Crew-Maintenance-Insurance)
lukriert werden. Die Wahl des Fluggerätes war schnell getroffen, eine ehemalige
SN Brussels Boeing 734 (OM-AEX) wurde angeschafft,
mit der man dem Sommer über Charteraufträge für diverse italienische
Reiseveranstalter bediente. Seit Anfang Juni steht die OM-AEX im ACMI Leasing
bei der polnischen ENTER AIR für vier Monate im Einsatz (ACMI). Aus diesem
Grunde musste die Airline eine zusätzliche Maschine anmieten um ihre Aufträge
in Italien und der Slowakei bedienen zu können. Seit Mitte Juni fliegt die von
ILFC angemietete Boeing 737-382 (OM-BEX) für das junge Unternehmen. Die
Maschine wurde ursprünglich im März 1989 an die TAP Air Portugal ausgeliefert,
bereits ein Jahr später wurde die Maschine an Air Malta übergeben, wo Sie bis
zum Jahr 2004 ihre kommerziellen Einsätze flog.
Letzter Betreiber der Maschine war die KD Avia aus Kaliningrad.

Die OM-BEX wartet in Bratislava auf ihren ersten Einsatz
Während
eines Gespräches anlässlich des einjährigen Firmenjubiläums, bot mir
Geschäftsführer Martin Stulajter an, eine Air Explore Crew auf einen ihrer Flüge zu begleiten. So stand
ich an diesem Morgen des 27. Juni vor dem Firmensitz des Unternehmens und
freute mich auf einen spannenden „Arbeitstag“.
Unterwegs im Bulgarien-Shuttle
In den Büros
der Gesellschaft angekommen, erkundigte ich mich zuerst nach den Räumlichkeiten
der Flight Operation. Dort angekommen wurde ich auch schon freundlich von
unserem Kapitän, Pavel Larisch begrüßt. Die
bevorstehenden Flüge sollten im Auftrag für CCA Slovakia geflogen werden. CCA Slovakia ist ein Tochterunternehmen des in Ostrava
(Tschechien) ansässigen Unternehmens CCA, dass sowohl Linienflüge (Central
Connect Airline Saab 340) als auch Charterflüge (Central Charter Airlines)
anbietet. Nachdem die slowakische Division bis heute über kein eigenes
Fluggerät verfügt, wurde Air Explore mit der
Durchführung der Flüge beauftragt. Die
Crew, die ich heute begleiten sollte war bereits über meinem Besuch
informiert worden und so konnte ich den
Kapitän und seinen Copiloten bei den Vorbereitungsarbeiten im Operation Office
über die Schulter blicken. Dazu wurden Informationen betreffend Wetter,
Flugverlauf und Besonderheiten auf der
Strecke mit dem Flight Dispatcher abgeklärt. Um 09:10Uhr war die gesamte Crew,
bestehend aus Co-Pilot Nemanja Dedejkovic,
den drei Flugbegleiterinnen Jana Samay, Michaela Kossarova und Jana Kovalova
anwesend. Kapitän Larisch begann mit dem Briefing der
Mannschaft.

Zu jedem Flug gehört eine umfangreiche Vorbereitung

Kein Flug ohne ausreichende Dokumentation
Unser
heutiger „Arbeitstag“ bestand aus vier Einzelflügen auf der Strecke
Bratislava-Burgas-Sliac-Burgas-Bratislava (CCS
6146-49). Im Namen der Crew wurde ich willkommen geheißen, musste aber
gleichzeitig eine Liability Release Declaration (Haftungserklärung) unterzeichnen! Diese
Erklärung bedeutete nichts anderes, als dass die Airline im Falle des Falles
für keinerlei Regressforderungen aufkommt. Nachdem auch diese Sache geklärt
war, bestiegen wir um 09:50Uhr den Crew Bus in Richtung Flughafen. Nach der
obligatorischen Sicherheitskontrolle standen wir auch schon am Vorfeld vor der
OM-BEX. Die Maschine war bereits von den AXE Technikern vorbereitet worden und
die Crew begann mit den Vorbereitungen für unseren Abflug. Während Kapitän Larisch und sein Co Pilot das Flight Management System programmierten,
übernahmen die Flugbegleiterinnen das Catering und die Passagierliste für den
bevorstehenden Flug. Nach einem kurzen Außencheck der Maschine, bestiegen auch
schon die ersten Passagiere das Flugzeug. Auf unseren Flug CCS 6146 nach Burgas
waren 144 Passagiere gebucht. Nachdem auch ich meinen Platz im Cockpit der
Boeing eingenommen hatte, wurden wir um 10:47Uhr mittels Push-back Fahrzeuges
in unsere Rollgasse geschoben.

144 Passagiere begleiten den ersten Flug nach Burgas
Nach der
Freigabe für den Engine Start durch den Tower, rollten wir zum Holdingpoint der
Piste 04. Kapitän Larisch informierte den Controller
über das Erreichen vom Holding Point und unmittelbar darauf bekamen wir auch
schon die Start Freigabe. Unsere
50.098kg schwere Boeing beschleunigte bis auf die Abhebegeschwindigkeit V2 und
unser Flugzeug hob in Richtung Schwarzmeer ab.
Die Verantwortung des ersten Fluges (BTS-BOJ) übernahm Kapitän Dedejkovic, dieser fliegt erst seit kurzem bei Air Explore und gehört mit nur 40 Flugstunden auf der Boeing
737, noch zu den Neulingen auf diesem Typ. Mit bereits 3500 Flugstunden gehört
Kapitän Larisch zu den erfahrenen Piloten auf diesem
Typ. Diese hohe Anzahl an Flugstunden konnte er in den vergangenen 15 Jahren
bei seinen Einsätzen für Slovak Airlines, Air Slovakia und Seagle Air ansammeln. Wie uns der Flight Dispatcher zuvor
in der Firmenzentrale berichtet hatte, stand uns ein sehr ruhiger Flug ans
Schwarze Meer bevor. Bereits um 11:06 Uhr bekamen wir die ungarische Hauptstadt
Budapest unter uns zu sehen, nachdem wir Serbien überquert hatten, überflogen
wir bereits um 11:50Uhr auf FL 350 die
bulgarische Hauptstadt Sofia. Nur noch weniger als 30 Minuten trennten uns von
unserer ersten Destination.

Anflugkarte von Burgas

Burgas (BOJ) im Final Approach
Der Sinkflug
auf Burgas (BOJ) wurde eingeleitet, Checklisten durchgegangen, Notfall
Szenarien vorab durchgesprochen und nach der Landefreigabe setzten wir
pünktlich um 12:20Uhr in Burgas auf. Kaum mit dem Fahrwerk aufgesetzt begann
auch schon ein heftiges Rumpeln über die schäbige Piste und dem Rollfeld. Eine
Strapaze für Mensch und Maschine, laut Kapitän Larisch
ist es aber vollkommen egal, ob man ganz langsam oder schnell über die Taxiways
fährt, die Belastung für Mensch und Maschine bleibt die gleiche. Zum Zeitpunkt
unserer Ankunft herrschte in BOJ kein allzu großer Betrieb. Wir wurden auf
unsere Abstellpositionen dirigiert und die beiden Triebwerke wurden
abgeschaltet. Diese hatten auf dem ersten Teilstück (BTS-BOJ) wie berechnet
3700kg Kerosin (inkl. APU und Rollen) verbrannt.

Nach einer „Rüttelfahrt“ endlich an der Abstellposition in Burgas angekommen
Fotosession auf FL 350
Nachdem die
Passagiere das Flugzeug in Richtung Urlaubsort verlassen hatten, stand unser
nächster Flug CCS 6147 bevor, ein Ferry Flug nach Sliac
(Slowakei). Ein Ferry Flug (Positionierungsflug) ohne Passagiere hat natürlich
seinen eigenen Reiz. Vor allem bot dieser
Flug die Gelegenheit nach unserem Start mit unseren Flugbegleiterinnen
ins Gespräch zu kommen. Alle drei konnten auf eine mehrjährige Berufserfahrung
bei Air Slovakia, Skyeurope
und Seagle Air zurückblicken. Nachdem ich zuvor von
Martin Stulajter gebeten wurde auch einige Crew
Aufnahmen für die Gesellschaft zu machen, äußerte ich diesen Wunsch gegenüber
unseren Flugbegleiterinnen.
Wo ich
normalerweise auf wenig Gegenliebe stoße, hatten die Flugbegleiterinnen von Air
Explore ihre größte Freude.
Schon begann
ein Fotoshooting, dass den Vergleich mit den großen Fotografen dieser Welt
nicht zu scheuen braucht. Zumindest fühlte ich mich als solcher zu diesem
Zeitpunkt! Eine Boeing Kabine und drei ansehnliche Flugbegleiterinnen für mich
alleine, Männerherz was willst du mehr?
Jana Samay, eine der drei Flugbegleiterinnen
hatte bereits Modellerfahrung gesammelt und wusste, wie wir Sie und ihre
Kolleginnen richtig in Szenen setzten konnten.

Fotoshooting während und nach dem Flug

Kurz bevor
das Shooting vorbei war, begann unsere Boeing 737 auch schon mit dem Sinkflug
auf Sliac. Pünktlich um 14:40Uhr setzte die OM-BEX
auf der 2340 Meter langen Piste 36 des kleinen Regionalflughafen auf. Der
Flughafen von Sliac ist ein Luftwaffenstützpunkt mit
ziviler Nutzung und beheimatet eine Mig-29 und Albatros Jettrainer
Flugstaffel. Erst im vergangen Jahr,
noch schnell vor den Wahlen zum neuen Premierminister, wurde die Piste in Sliac erneuert und auf ICAO Standard gebracht. Seitdem
heben regelmäßig Charterflüge mit sonnenhungrigen Slowaken in Richtung Süden
ab.

Sliac International Airport, auch ich habe den Terminal vergeblich gesucht?
Zwar wurde
die Piste renoviert, der Passagierterminal, wenn man diesen als solchen
bezeichnen darf, ist immer noch der alte und kaum dafür ausgelegt 140
Passagiere und mehr, gleichzeitig abzufertigen. Die 5000 Einwohner Stadt Sliac liegt in der Mittelslowakei und verbreitet ländliche
Atmosphäre. Diese ländliche Atmosphäre wurde dadurch verstärkt als wir vom
Handling Agent die Mitteilung erhielten, dass eine verspätete Urlaubsfamilie am
Flughafen angerufen hatte und darum bat, mit dem Abflug noch zu warten! Unsere
Maschine stand eigentlich schon wieder bereit für den Rückflug nach
Bulgarien, alle Passagiere hatten
bereits Platz genommen und freuten sich auf den bevorstehenden Urlaub. Kapitän Larisch meinte auf
meinen fragenden Blick hin jedoch nur; „No problem, we flying
for our passengers,
we don´t need a slot in BOJ, so we can wait“.
Wäre der Werbeslogan “Service is our success” nicht schon
erfunden, hätte ich ihn der Mannschaft von Air Explore
verliehen. So warteten wir geduldig noch weitere 20 Minuten, bis die verspätete
Urlauberfamilie endlich das Flugzeug erreichte und sich hinter ihnen die Türen
schlossen. Als wir mit unserer Maschine beim Holdingpoint angekommen waren,
mussten wir noch die Landung zweier Mig-29
abwarten. Danach bekam Flug CCS 6148 die Startfreigabe und wir hoben
wieder in Richtung Burgas (BOJ) ab.
Burgas (BOJ) - fest in russischer
Hand
Als wir uns wieder
im Anflug über die Plattenbauten von Burgas befanden, war schon aus der Ferne
ein volles Vorfeld zu sehen. Die Russen hatten den Flughafen übernommen, unter
anderen standen am Vorfeld zwei Transaero Boeing 747,
eine Ural und S7 A-320, eine VIM 757 in neuen Farben, sowie eine Belavia TU-154, abgestellt.

Die Buckelpiste von Burgas, der nächste Transaero
Jumbo rollt bereits zum Start

Hinter dem Jumbo Jet versteckt sich der Terminal von Burgas

Kapitän Larisch freut sich auf seinen letzten Flug des
Tages
Waren es in
den achtziger und neunziger Jahren vor allem die Deutschen Airlines, die das
Geschehen am Schwarzmeerflughafen Burgas
beherrschten, so hat sich die Situation heute deutlich geändert. Die
preisgünstigen Strände von Sunny Beach und Nessebar
werden heute bevorzugt von den russischen Gästen überrannt. Die Tatsache, das Transaero gleich zwei volle
Jumbo Jets aus Moskau einflog (insgesamt 848 angebotene Sitzplätze!) beweist
diesen Umstand. Zusätzlich zum russischen Verkehr waren auch jeweils zwei AIR
VIA A-320, zwei Bulgarian Air Charter MD-82, sie eine
Balkan Holidays A-320 auszumachen. Ein Passagieraufkommen, das es für den
kleinen Flughafen von Burgas erst einmal zu bewältigen galt. Im Jahre 2006
hatte die bulgarische Regierung für die Flughäfen Burgas und Varna eine
35jährige Betriebskonzession an FRAPORT
verkauft. Seitdem wurde auf den Flughafen (zuletzt 1,8 Millionen abgefertigte
Passagiere) bereits einiges in die Infrastruktur investiert, das größte Projekt
jedoch, die Errichtung eines neuen Terminals wurde jedoch noch nicht in Angriff
genommen. Deshalb wird immer noch das bestehende Gebäude aus den 70er Jahren
für den täglichen Sommer Betrieb genutzt. Flug CCS 6148 hatte um 17:23 Uhr in
BOJ aufgesetzt, nach Erreichen der Parkposition und verlassen der Passagiere
war es an der Zeit, Kerosin für den Heimflug aufzunehmen.

Traumjob Flugkapitän?
Wenn man diese Bilder sieht sollte man meinen ja, der Alltag ist jedoch anstrengend

Der letzte
bevorstehenden Flug CCS 6149 von BOJ nach BTS war wieder als Ferry Flug eingetragen, so stand noch einmal genügend
Zeit zur Verfügung um sich mit den Crews gemütlich zu unterhalten.

Nur noch wenige Flugminuten trennen uns von der Air Explore Basis
Um 19:45 Uhr
stand uns die letzte Landung für den heutigen Tag im heimatlichen Bratislava
bevor. Kapitän Larisch setzte die Boeing 737 wieder
butterweich auf und rollte zu unserer Abstellposition. Ein fast 11stündiger
Arbeitstag lag hinter uns, als die Maschine wieder an die Air Explore Techniker übergeben wurde. Ein Tag den ich, Dank
der überaus freundlichen Air Explore Crew, nicht so
schnell vergessen werde.
Martin Dichler