„Die vergessenen Airliner

 

Auf fast jedem Flughafen gibt es Sie, Airliner die von vergangenen glorreichen Geschichten aus der Luftfahrt erzählen können.

Heute jedoch parken Sie nur noch untätig auf den Vorfeldern der Flughäfen und warten auf bessere Zeiten.

Stille Zeitzeugen, einer glorreichen Luftfahrtepoche!

 

 

Es gibt viele Gründe warum diese ehemaligen stolzen Repräsentanten der Airlines, heute nicht mehr im Einsatz stehen.

Zumeist sind die Flugzeuge jahrelang für große Airlines geflogen, die meisten von ihnen werden heute aus ökonomischen oder ökologischen Gründen nicht mehr eingesetzt.

Aber auch so manches neue EU Gesetz lässt den Betrieb, der zumeist ehemaligen stolzen Produkte der sowjetischen Luftfahrtgeschichte, in Europa nicht mehr zu.

 

Für die meisten der heute abgestellten Flugzeuge wird es jedoch keine besseren Zeiten mehr geben!

Sie werden, wie die meisten der ausgemusterten Modelle, schon bald verschrottet werden.

Ein durchaus lukratives Geschäft, werden doch Altmetalle und gebrauchte Flugzeugteile weltweit gesucht.

Mit etwas Glück, wird sich aber für den einen oder anderen Jet, doch noch ein neuer Käufer in Afrika oder Asien finden.

Jets mit einem Alter von 30 Jahren und mehr, finden heute nur noch in den Entwicklungsländern interessierte Abnehmer.

Airlines, welche sich nicht umsonst auf EU Einflugsverbotlisten wieder finden!

 

 

Zeugen einer ehemals erfolgreichen bulgarischen Luftfahrtgeschichte

 

Während sich der Flughafen von Sofia, Jahr für Jahr über hohe Zuwächse bei den Passagierzahlen freuen darf, gibt es aber auch Plätze, an denen es seit längerem sehr ruhig geworden ist.

Der Flughafen von Sofia, ist in Europa nur ein Beispiel dafür, dass so mancher Jet auf einen neuen Käufer wartet.

Die goldenen Zeiten einer Balkan Bulgarian Airlines sind längst vorbei.

Damit verbunden, findet man am Flughafen der bulgarischen Hauptstadt, eine Vielzahl an Yakolev, Tupolev und Antonov Flugzeugen, die auf neue Käufer warten.

 

Vorbei sind die Zeiten, als Balkan Airlines noch 76 Flugzeuge in ihrer Flotte hatte.  

Nachdem die Gesellschaft bereits 1946 als DVS gegründet wurde und später als TABSO auch international bekannt geworden ist, wuchs das Unternehmen, Dank des sowjetischen Einflusses, sehr rasch.

 

Mitte der siebziger Jahre, nachdem IL-18, An-24 und die ersten Tupolev Jets ihren Weg zur Balkan gefunden hatten, war die bulgarische Staatsgesellschaft, bereits die zweitgrößte Airline, des ehemaligen Ostblocks.

Balkan Bulgarian Airlines war weltweit präsent, schließlich mussten die kommunistischen Bruderstaaten, in das Streckennetz eingebunden werden.

 

 

 

Mit dem Einsatz der ersten dreistrahligen TU-154 Jets, wurden Ziele in Angola, Zimbabwe, Vietnam oder Sri Lanka, ins Streckennetz aufgenommen.

Balkan gelang mit einem ihrer TU-154B Flugzeuge sogar das Kunststück, eines Nonstopfluges zwischen Montreal und Sofia!

Eine fast 7000km lange Strecke, dessen Flug eine besondere Vorbereitung bedurfte.

 

Erst mit dem Einsatz von zwei geleasten Air France Boeing 767-200 Flugzeugen im Jahre 1991, wurden die meisten dieser Ziele nonstop bedient.

Obwohl gegen Ende der achtziger Jahre erstmals westliches Fluggerät (Boeing 737-500) eingesetzt wurde, waren die robusten sowjetischen Maschinen weiterhin, ein unerlässliches Arbeitsgerät.

 

Im Jahre 2002 folgte dann der große Schock, als die Airline den Konkurs anmelden musste und alle Linienflüge eingestellt wurden.

Das angemietete westliche Fluggerät wurde rasch wieder an die Leasinggesellschaften retourniert  und für viele der TU-134&154, fanden sich neue Abnehmer in Russland.

 

Weniger gut erhaltene Maschinen der Airline blieben unverkäuflich und sind am Flughafen von Sofia gestrandet.

Darunter eine TU134A-3 (LZ-TUZ) mit Baujahr 1971, welche 1983 von der tschechischen Regierung übernommen und in die Balkan Flotte integriert wurde.

Zuletzt war das Flugzeug für einige Jahre neben dem Terminal 1, dem heutigen Low Cost Terminal, abgestellt und wurde für Anti Terror Übungen der Polizei genutzt!

Im heurigen Jahr wurde der Jet auf den gegenüber liegenden Teil des Flughafens geschleppt und auf einer großen Wiese abgestellt.

Zwei weitere Flugzeuge, ehemalige An-24B der Balkan Airlines, stehen heute noch unmittelbar neben dem Terminal 1.

Bei der LZ-AML handelt es sich um ein Flugzeug mit dem Baujahr 1967, welches zuletzt hauptsächlich noch auf den Inlandsstrecken nach Varna und Burgas, zum Einsatz kam.

Es wird nicht mehr lange dauern und auch diese letzten Zeugen der glorreichen Balkan Bulgarian Zeit, werden dem Schrotthändler zum Opfer fallen.

 

YAK-40 for sale!



 

Als Balkan Bulgarian ihren Betrieb einstellte, war das ehemalige zweite staatliche Luftfahrtunternehmen, die Hemus Air, bereits elf Jahre in Betrieb.

Im selben Jahr wurde die Hemus Air privatisiert. Die Zeiten waren nicht rosig und die bulgarische Luftfahrt stürzte in eine lang anhaltende Krise.

 

Hemus Air war zu diesen Zeitpunkt hauptsächlich im Charterverkehr tätig, Linienflüge ins benachbarte Ausland wurden zwar ebenfalls angeboten, doch den Wegfall des großen Bruders Balkan Bulgarian Airlines konnte man jedoch zum damaligen Zeitpunkt, nicht wirklich nutzen.

Zu ihrer Flotte zählten Let-410, Yak-40 und TU-154M Flugzeuge.

Für die privaten Investoren war jedoch schnell klar, dass man konkurrenzfähiges westliches Fluggerät anschaffen musste, um am Markt bestehen zu können.

 

 

Die Flugzeuge sowjetischer Bauart wurden schon bald ausgemustert und durch den Kauf von Viaggio Air und Bulgaria Air, auf ATR-42 und Boeing 737 Flugzeuge umgestellt.

 

Für die TU-134 und Yak-40 fanden sich schon bald neue Abnehmer.

Wenn auch nur auf befristete Zeit, durch ACMI (Aircraft/Crew/Maintenance/Insurance) Leasing Verträge.

So war man damals bei Albanian Airlines glücklich, als man preiswerte Flugzeuge  kurzfristig anmieten konnte um den Betrieb aufzubauen.

Viele der ehemaligen Yak-40 Flugzeuge, finden sich noch heute am Flughafen von Sofia.

Die LZ-DOF/DOE/DOS stehen im Line-up am Vorfeld des Flughafens abgestellt, teilweise noch mit Albanian Airlines Titeln und Hemus Air Farben bemalt.

Die LZ-DOF flog kurze Zeit bei ADA Air (Albanien), die DOE begann ihre Karriere bei Balkan bevor Sie an Hemus Air abgegeben wurde.

Die Maschinen waren sowohl als Balkan als auch als Hemus Air Flugzeuge auch öfters in Wien zu Gast.

Auf den regulären Hemus Air Linienflügen zwischen Sofia-Bratislava und Leipzig, kamen die Yak-40 ebenfalls zum Einsatz.

Die LZ-DOS flog ebenfalls für Albanian Airlines, bevor Sie in Sofia abgestellt wurde.

 

Albanian Airlines nutze aber auch größeres Fluggerät von Hemus Air, wie die TU-134A (LZ-TUN).

Das Flugzeug wurde ursprünglich wie fast alle Flugzeuge der Gesellschaft, von Balkan betrieben. Unter anderen flog die Maschine 1995 kurze Zeit für Arberia Airways. Arberia Airways war eine von vielen heute unbekannten albanischen Fluggesellschaften, die nur kurze Zeit am Markt vertreten waren und Flugzeuge der Hemus Air für ihre Operationen nutzte.

Heute steht die Maschine, mit einigen anderen abgestellten Let-410 und An-24, nahe des Terminals 1.

Eine weitere abgestellte TU-134 der Hemus Air mit Albanian Bemalung, steht auf dem großen Militär- und Technik  Vorfeld, gegenüber des Flughafenterminals.  

 

Nachdem Balkan ihren Betrieb einstellte, war auch eine große Anzahl an günstigen AN-12 Fracht Flugzeugen am Markt erhältlich.

Bulgarische Airlines wie Scorpion Air oder Air Sofia übernahmen einen Teil der Flugzeuge und expandierten im Fracht Business.

Mit dem Beitritt Bulgariens zur Europäischen Union im Jahre 2007, wurde der Einsatz dieser in die Jahre gekommenen Flugzeuge jedoch von der bulgarischen Regierung untersagt.

So waren im vergangenen Jahr viele abgestellte AN-12 am Flughafen Sofia zu sehen, bevor diese für einige Zeit nach Plovdiv ausgeflogen wurden.

Heute kann man nur noch zwei AN-12 Frachter am Flughafen von Sofia abgestellt bewundern.

Darunter die LZ-MNN der Scorpion Air, doch auch für diesen Flieger gibt es keine Hoffnung auf einen neuerlichen Einsatz, zu sehr scheint der Zahn der Zeit am Flugzeug genagt zu haben.

 

 

 

 

 

Einen großen Teil des Flughafenvorfeldes in Sofia hat das Militär in Besitz genommen. Alleine mit der Anzahl an inaktiven Transportflugzeugen der bulgarischen Luftwaffe könnte man ein ganzes Museum füllen!

Alleine sechs AN-24 (aktiv und inaktiv), eine AN-30, sowie mehrere Let-410 und AN-2 Flugzeuge füllen den Platz.

Einzig eine neue Pilatus PC-12 der bulgarischen Luftwaffe hebt das durchschnittliche Alter, der am Vorfeld abgestellten Flugzeuge.

Ein wahres Paradies für Luftfahrtenthusiasten, wenn auch leider öffentlich nicht zugänglich!

 

Aber auch einige neuere Flugzeuge sind auf diesen Abstellpositionen zu finden.

So drei ehemalige Bulgarian Air Charter MD-80, teilweise ganz in weiß oder in voller Bemalung zu bewundern.

Laut JP 2008, ist der ehemalige TU-154 Operator, heute stolzer Besitzer von 12 Stück MD-80 Flugzeugen.

Zwischen den relativ ungepflegten Hallen der Technikfirmen, finden sich auch noch so manche Let-410, An-24 oder Mil-8 Helikopter. Darunter eine MIL-8, die laut Titel, noch vor kurzen für die UNO (World Food Programm) geflogen sein dürfte.

 

Wenn auch die meisten der abgestellten Flugzeuge am Flughafen Sofia nie wieder abheben werden, so ist ein Besuch immer wieder von besonderem Interesse.

Denn es gibt Sie noch, die sowjetischen Airliner, die auch heute noch den Flughafen benutzen.

So besitzt die bulgarische Regierung noch eine TU-154M, welche regelmäßig seine Aviadvigatel D-30KU Triebwerke anstartet und auch akustisch, an die alten Zeiten erinnert!

 

Ich bedanke mich für das Zustandekommen dieses Berichtes bei Alexander GYUROV (Sofia Airport Analyst) und Monica PELINKOVA (Sofia Airport Public Relation Department).

 

Martin Dichler