APPROACH Interview Reihe Teil 4:

 

Bratislava Airport – Ein Flughafen im Wandel der Zeit

 

 

Seitdem die Anti-Monopol Behörde der slowakischen Regierung in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2006 die Privatisierung des Flughafens Bratislava (BTS) untersagte, musste sich das Management des Airports um andere Entwicklungsmöglichkeiten umsehen.

Wer heute den Flughafen Bratislava besucht, wird über die rege Bautätigkeit am Flugplatz verwundert sein.

Derzeit entsteht ein neues Abflugterminal, in wenigen Jahren soll der Flughafen ein modernes Gesicht bekommen und die bisherigen Platzprobleme in den Spitzenzeiten beseitigen.

Seit der Unabhängigkeit der Slowakei im Jahre 1993 musste der Flughafen einiges durchmachen.

Mitte der 90er Jahre fielen die Passagierzahlen ins Bodenlose und es wurden durchschnittlich nur 250.000 Passagiere pro Jahr abgefertigt.

Die Gründung der heimischen Low Cost Airline Skyeurope  im Jahre 2002 brachte den Wechsel, seit damals kann sich der Flughafen Bratislava über ein stetiges Wachstum erfreuen und zog in dessen Entwicklung auch andere Low Cost Airlines an.

Damit diese positive Entwicklung weiter anhält, wurde im August 2008 Herr Direktor Radek Zabransky  als neues Mitglied in den Vorstand des Flughafen Bratislava einberufen und ist seitdem für den Bereich Commerce & Marketing verantwortlich.

Mit seiner Ernennung kam neuer Schwung in seine Abteilung, kann er doch auf eine lange Berufserfahrung im Luftfahrtbusiness zurückblicken.

Vor seiner Berufung in den Vorstand am Flughafen Bratislava, war Direktor Zabransky mehrere Jahre für die IATA Vertretung in Wien tätig, davor konnte er bei Airlines wie Alitalia und CSA Erfahrungen sammeln.

Wer sein Büro am Flughafen betritt wird begeistert sein, an die 200 Flugzeugmodelle aus seiner persönlichen Sammlung sind dort ausgestellt.

Es scheint so, als wäre hier ein Vollblut Airliner am Werk!

 

Approach traf Direktor Radek Zabransky zu einem Gespräch in seinem Büro am Flughafen Bratislava.

 

        

 

Approach:

Ich bin überrascht, in ihrer Abflughalle befindet sich eine Ausstellung mit einem tibetanischen Gebetsschrein?

Es ist das erste Mal, dass ich Kunst am Flughafen Bratislava sehe!

 

R.Zabransky:

Es wird sicherlich nicht das letzte Mal sein, dass Sie Kunst am Flughafen von Bratislava sehen werden.

Bei dieser Ausstellung mit dem Titel „Sangri la“ handelt es sich um eine Wanderausstellung welche im vergangenen Jahr am Flughafen Prag ausgestellt war, der größere Teil der Ausstellung befindet sich aber in unserem National Museum.

Wir hatten zuletzt auch eine Anfrage von Aeroflot, die zu ihrem 80jährigen Jubiläum am Flughafen eine Ausstellung machen wollte, leider verfügen wir aber nicht über genügend Platz für eine weitere Präsentation.

 

Approach:

Das vergangene Jahr ist vorüber, wie zufrieden waren Sie mit dem Jahr 2008 am Flughafen Bratislava?

 

R.Zabransky:

Was die Passagierzahlen betrifft, so war dieses mit mehr als 2,2 Millionen abgefertigten Passagieren unser erfolgreichstes!

Das Jahr hat sehr gut begonnen, mit einem durchschnittlichen Wachstum von mehr als 10%, erst gegen Ende des Jahres gab es erstmals einen Einbruch zu bemerken.

 

Approach:

Waren Sie auch wirtschaftlich profitabel?

 

R.Zabransky:

Ja, auch das waren wir im vergangen Jahr!

 

Approach:

Welche Airline hat im vergangen Jahr die meisten Passagiere ab dem Flughafen Bratislava befördert und welche Destination war die beliebteste?

 

R.Zabransky:

Wie Sie bekanntlich wissen, ist der Flughafen BTS hauptsächlich ein Low Cost Flughafen. Die meisten Passagiere wurden durch Skyeurope Airlines (804.723) und dicht gefolgt, von Ryanair (762.217) befördert.

Die beliebteste Destination war London (368.116), gefolgt von Kosice (192.642), wobei für den Flughafen Bratislava der englische Incoming Verkehr im Allgemeinen besonders wichtig ist.

 

DHL Cargo hat ihre Flüge im vergangenen Jahr von Wien nach Bratislava verlegt

 

 

Approach:

Haben im vergangenen Jahr neue Airlines den Flughafen angeflogen, oder haben bestehende Airlines ihre Angebote ausgebaut?

 

 

R.Zabransky:

Im vergangenen Jahr hat Aeroflot nach einer längeren Pause wieder begonnen nach Bratislava zu fliegen. Die Strecke nach Moskau wurde ja bereits früher durch Aeroflot und danach durch Slovak Airlines bedient. Wir hoffen auf eine baldige Aufstockung der zwei wöchentlichen Flüge.

Bei den Low Cost Airlines werden Beschlüsse über Flugaufnahmen oder Streichungen ja bekanntlich sehr rasch entschieden.

Im vergangen Jahr kamen aber in diesem Segment Istanbul und Edinburgh hinzu, weiters wurden auch einige neue Destinationen im Charterbereich neu aufgenommen.

 

Approach:

Im vergangen Jahr wurden viele Bauarbeiten begonnen, um welche Ausbaumaßnahmen handelte es sich dabei konkret?

 

R.Zabransky:

Im vergangenen Jahr wurde offiziell mit den Bauarbeiten für den neuen Terminal begonnen, eines unserer größten Projekte für die kommenden Jahre.

Es wurde aber auch das Parkplatzangebot um weitere 320 Stellplätze ausgebaut, weiters wurde eine Verbindung zwischen den Ankunft und Abflugbereich geschaffen.

 

Approach:

Können Sie mir einen Überblick über das Terminalprojekt geben?

 

R.Zabransky:

Die Ausbauarbeiten sind in zwei Bereiche aufgeteilt, der neue Terminal wird gerade neben dem bestehenden Gebäude gebaut und soll bis 2010 fertig gestellt werden.

In der zweiten Phase soll dann der alte Terminal abgerissen werden und bis 2012 neu aufgebaut werden. Ab dann verfügen wir über einen neuen Terminal, mit einer Kapazität von jährlich 5 Millionen Passagieren.

 

Approach:

Der neue Terminal wird über keine Fluggastbrücken verfügen?

 

R.Zabransky:

Darüber gab es interne Diskussionen, Vor und Nachteile wurden abgewogen!

Wir müssen aber realistisch bleiben und die Kosten mit dem Nutzen vergleichen, deshalb sind wir zu dem Entschluss gekommen, keine Fluggastbrücken einzubauen.

 

Approach:

Wie hoch werden die Kosten für den Terminalausbau sein und werden dadurch die Flughafentaxen eventuell ansteigen?

 

R.Zabransky:

Für den Terminalausbau sind € 96 Millionen Baukosten veranschlagt, eine Erhöhung der Flughafentaxen ist dadurch aber nicht notwendig!

 

 

 

Rege Bautätigkeiten für den neuen Terminal

 

 

Approach:

Vor einigen Jahren gab es bekanntlich einen Privatisierungsversuch an dem sich die Flughafen Wien AG beteiligt hatte. Diese Privatisierung wurde dann vom Büro der Slowakischen Anti-Monopol Behörde untersagt.

Gab es in weiterer Folge eigentlich noch Überlegungen für eine Privatisierung?

 

R.Zabransky:

Derzeit ist die Meinung der Regierung unverändert, ich denke aber auch, dass sich daran nichts so schnell etwas ändern wird!

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema ist aber auch, dass eine volle Privatisierung eines Flughafens wie sie in Bratislava geplant war, nicht unbedingt zum bestem für den Flughafen gewesen wäre.

Beispiele wie in Prag oder Budapest haben dies in der Vergangenheit gezeigt.

Selbst ein privatisierter Flughafen wie Wien hat weiterhin noch enge Kontakte zu staatlichen Institutionen.

 

Approach:

Der Flughafen Bratislava verfügt über zwei Landebahnen, gibt es eigentlich bei ihnen ein Nachtflugverbot?

 

In Bratislava stehen genügend freie Kapazitäten zur Verfügung

 

R.Zabransky:

Ja, es gibt zwar zwei Landebahnen, diese überkreuzen sich aber, wodurch man technisch nicht wirklich von zwei Bahnen sprechen kann. Es kann immer nur eine der beiden Piste genutzt werden.

Derzeit gibt es keine Beschränkungen was den Flugbetrieb während der Nachtstunden betrifft, natürlich mehren sich aber auch in Bratislava die Anrainerbeschwerden.

Wir hoffen aber weiterhin, diese durchgehende Nutzungsmöglichkeit unseren Kunden zukünftig anbieten zu können.

 

Approach:

DHL Cargo hat im vergangenen Jahr laut eigenen Aussagen, gerade aus diesem Grund seine Flüge von Wien nach Bratislava verlegt.

Gibt es eigentlich Gespräche mit anderen Cargo Airlines wie z.B. Korean Air Cargo

um nach Bratislava zu fliegen, wären diese willkommen?

 

R.Zabransky:

Dies wäre eigentlich eine einfache Frage, die jedoch trotzdem schwer zu beantworten ist.

Wir bieten die technischen Voraussetzungen für die Abwicklung von Frachtflügen, haben zudem auch einen guten Anschluss an das Straßen- und Schienennetz, andererseits wäre aber auch ein Ausbau im Bereich der Luftfrachteinrichtungen in Bratislava notwendig.

Der Frachtbereich ist aber im Allgemeinen sehr interessant für uns, wir führen Gespräche mit vielen Unternehmen und laden alle ein, unsere Einrichtungen zu nutzen.

Austrian Technik Bratislava hat sich mit der Fokker 70/100 und CRJ Überholung etabliert

 

Approach:

Skyeurope hatte in den letzten Wochen und Monaten größere Probleme.

Wie wichtig ist eigentlich ein Homecarrier wie Skyeurope Airlines für einen Flughafen wie Bratislava?

Unterstützen Sie das Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten?

 

R.Zabransky:

Skyeurope Airlines war im vergangenen Jahr die größte Airline am Flughafen und schon alleine deshalb ist Sie besonders wichtig für uns.

Wir beobachten die Situation derzeit, sind aber natürlich nicht sehr glücklich über diese Umstände.

Sie bekommen aber vom Flughafen keinerlei finanzielle Unterstützung, abgeschlossene Verträge werden eingehalten.

Wir versuchen mit vermehrter Werbung zu helfen, indem wir den Standort Bratislava im einen größeren Einzugsgebiet als bisher bewerben.

Dadurch erhoffen wir uns zukünftig auch mehr Passagiere für Skyeurope Airlines.

 

Approach:

Ich erinnere mich auf eine Studie des Wiener Flughafens, wonach ca. 300.000 Slowaken jährlich ab Wien fliegen.

Gibt es eigentlich Studien darüber, wie viele Österreicher jedes Jahr ab Bratislava fliegen? Ryanair bewirbt Bratislava ja auch als Destination Wien in ihrem Streckennetz?

 

R.Zabransky:

Es gibt derzeit keine genauen Studien über diese Zahlen, die Gründe warum so viele Slowaken aber ab Wien fliegen sind vielfältig.

Als die Slowakei 1993 gegründet wurde, gab es anfänglich nur wenige Flugangebote ab Bratislava.

Für viele Jahre war Wien die einzige Option für unsere Landsleute, erst mit Skyeurope Airlines kam der Wandel und viele Slowaken nutzen das Angebot vor Ort.

Wir versuchen derzeit, unseren Einzugsbereich durch noch bessere Verkehrsanbindungen an den Flughafen zu vergrößern.

Es macht aber keinen Sinn, uns als Konkurrenz zu Wien zu sehen.

Wir sind zwei unterschiedliche Flughäfen, Wiens Stärke liegt im hohen Anteil an Transferpassagieren, wir bedienen einen Nischenmarkt mit Regional, Low Cost und Frachtverkehr ab Bratislava.

 

Skyeurope Airlines brachte dem Flughafen Bratislava den Aufschwung

 

Approach:

Meine letzte Frage betrifft die allgemeine Wirtschaftskrise und da im speziellen das Luftfahrtbusiness.

Was erwarten Sie sich im heurigen Jahr für ihren Flughafen?

 

R.Zabransky:

Wir erwarten uns heuer keine zusätzlichen Passagiere, viel mehr müssen wir mit einen Passagierrückgang von ca. 10% rechnen. Einige Airlines haben ihre Flüge bereits reduziert, die Probleme werden aber für alle Flughäfen gleich sein.

Es wird sicherlich kein einfaches Jahr für die gesamte Luftfahrtindustrie!

 

Das Approach Team bedankt sich für das ausführliche Gespräch und wünscht weiterhin viel Erfolg.

 

Fotos und Text

Martin Dichler