Die
gemütliche Art des Reisens - Tante Ju zu Gast in Wien!
Es gibt wohl kaum ein anderes Flugzeug
in Europa das für so viel Aufsehen sorgt, wie die JU-52. Das Flugzeug
repräsentiert jedoch nicht nur ein 73 Jahre altes Flugzeug - sondern ein Stück deutscher
Luftfahrtgeschichte.
Die Deutsche Lufthansa hat es sich
1984 zum Ziel gemacht, dieses historische Flugzeug flugfähig zu machen und der
Nachwelt zu erhalten.
Seit dem neuerlichen Erstflug im
Besitz der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung im Jahre 1986, hat das Flugzeug
schon öfters in Österreich einen Besuch abgestattet.
In der Zeit zwischen 8.-15.Juni war es
wieder soweit, die Tante JU kam wieder nach Wien.

Die
Geschichte der D-AQUI geht auf das Jahr 1936 zurück, als das Flugzeug an die
Deutsche Lufthansa ausgeliefert wurde. Bereits nach zwei Monaten wurde das Flugzeug
an die Junkers Werke retourniert und an die norwegische Fluglinie Norske Luftfahrtselkap (DNL)
veräußert.
Ab diesem
Zeitpunkt verband die Maschine, als Wasserflugzeug umgebaut, diverse abgelegene
Städte und Fjorde Norwegens auf ihren Inlandsflügen.
Im April 1940
fiel das Flugzeug in die Hände der Deutschen Luftwaffe, welche die Maschine zu
diesem Zeitpunkt in Beschlag nahm.
Nach Ende des
zweiten Weltkrieges gaben im Mai 1945 die Alliierten Streitkräfte das Flugzeug
wieder an die norwegische Fluggesellschaft zurück.
Im Oktober
1956 wurde die LN-KAF endgültig außer Dienst gestellt und dem Nationalen
Norwegischen Flugmuseum in Oslo angeboten.
Dem Museum war
das Flugzeug für ihre Hallen zu groß und so wurde die Maschine im Freien
zwischengelagert.
Eine in Quito
beheimatete Airline fand Interesse an dem Flugzeug und überstellte dieses nach dem
Ankauf nach Ecuador.
Nachdem die
Maschine in Südamerika wieder auf ein reguläres Fahrwerk montiert wurde, flog
die JU-52 nun als HC-ABS registriert, Passagiere, Fracht und Lebendtiere in das
Amazonasgebiet.
Nach nur fünf
Jahren Dienst unter widrigsten Umständen, war der technische Zustand des
Flugzeuges so katastrophal, dass man sich dazu entschloss die JU-52 endgültig
stillzulegen.

Acht Jahre
lang verrottete die Maschine am Flughafen von Quito bevor 1969 der
amerikanische Flugzeugenthusiast Lester Weaver aus Illinois die Ju-52 kaufte.
Nachdem das
Wrack für nur USD 5200,- gekauft wurde, musste das Flugzeug erst einmal von
Ungeziefer und anderem Getier befreit werden.
Beim
Überstellungsflug brannte die Maschine fast ab, als beim Startversuch
Treibstoff aus lecken Leitungen floss und eine hastig weg geworfene Zigarette
eines Mechanikers fast zur Katastrophe führte.
Nachdem die
Maschine in den Vereinigten Staaten keine Zulassung für Flüge mit Passagieren
durch die FAA erhielt, musste die JU 52 als Experimental-Flugzeug zugelassen
werden.
Dadurch
zerschlugen sich aber die Pläne des amerikanischen Eigentümers, Rundflüge auf Airshows
anzubieten.
Nach vier
Jahren wurde die Maschine um USD 36.000,- an die Cannon Aircraft
verkauft, welche diese bereits 1975 an den amerikanischen Flugzeug
Enthusiasten, Martin Caidin weiterverkaufte.
Nachdem die
Maschine mit der passenden Registration N52JU versehen wurde, begann für den
Eigentümer ein nie endend wollender Restaurierungsvorgang.
1976 gönnte Caidin seiner „Iron Annie“ eine Grundüberholung um USD
250.000,-, wobei auch die Original Motoren durch Pratt & Whitney R-1340 Wasp Motoren aus einer amerikanischen US Curtiss,
ausgetauscht wurden.
Von diesem
Zeitpunkt an trat die als „Iron Annie“ genannte Maschine bei diversen Flugshows
auf.

Lufthansa Traditionsflug
Als Vater der
heutigen D-AQUI, gilt der damalige Vorstandsvorsitzende
der Deutschen
Lufthansa, Reinhardt Abraham.
Seiner Idee
ist es zu verdanken, dass die historische Maschine aus Amerika angekauft wurde
und in den Besitz der Deutschen Lufthansa überging.
Nach einem
Überstellungsflug der ganze 16 Tage dauerte, landete am 28. Dezember 1984 die
„Tante Ju“ wohlbehalten in Hamburg.
Nachdem bald
klar war, dass der technische Zustand des Flugzeuges den heutigen Vorschriften
und Standart nicht mehr entsprach, musste die Maschine von Grund auf überholt
werden.
Da viele der
benötigten Ersatzteile nicht mehr zu organisieren waren, mussten diese in mühevoller
Kleinarbeit selbst produziert werden. Die Techniker der Deutschen Lufthansa
leisteten ganze Arbeit, waren doch viele Baupläne der JU-52 zu diesem Zeitpunkt
nicht mehr verfügbar.
Die Korrosion
war in den letzten 50 Jahren ebenfalls soweit fortgeschritten, dass das
Flugzeug in seine Einzelteile zerlegt werden musste.
Die
technischen Einrichtungen mussten auch an die Vorgaben des Deutschen LBA (Luftfahrtbundesamt)
angepasst werden, was einen beträchtlichen Aufwand nach sich zog.
Mit der
Gründung des Tochterunternehmens – Deutsche Lufthansa Berlinstiftung – am 13. Juni
1986 war der Grundstein für den Betrieb der D-AQUI gelegt. Seit diesem Zeitpunkt
kommt das Flugzeug auch regelmäßig nach Österreich zu Besuch.
Am 8. Juni
bestand für mich die Gelegenheit an einem dieser Rundflüge teilzunehmen.
Dass es sich
bei einem Ju-52 Flug um etwas Besonderes handelt wird
schnell klar. Nicht Geschwindigkeit oder Komfort zählen an Bord der Tante Ju - viel mehr fühlt man sich während eines Fluges in die
Anfänge der Luftfahrt zurück versetzt.
Nach nur 500m
Startstrecke hob die Maschine von der Piste 11 ab, um in einer engen
Rechtskurve gleich nochmals die Runway 11/29 in Richtung Donau zu überfliegen.
Entlang der
Donau ging es dann nahe dem Wiener Stadtgebiet über die Donauinsel, vorbei an der
UNO City und dem Riesenrad bis nach Korneuburg.
Bereits kurz
nach Korneuburg begann auch schon wieder der Rückflug, begleitet von einer
Cessna 172, die es sich nicht nahm die JU-52 ein kurzes Stück zu begleiten.
Laut Aussagen
des Flugtechnikers an Bord der Maschine soll versucht werden, die Maschine noch
bis zu ihrem hundertjährigen Jubiläum, im Jahre 2036 flugfähig zu halten.
Nach knapp 35
Minuten Flugzeit endete auch schon der Flug. Was über blieb war ein
unvergessliches Erlebnis, eben eine völlig andere Art des Reisens!
Martin Dichler