Vom AUSTRIAN
zum Business Jet
Das zweite Leben mancher AUA Jets….
Gebrauchte
Flugzeuge der heimischen Austrian Airlines waren schon immer sehr begehrt!
Trotz der
inzwischen hohen Anzahl an Flugstunden, gewährt die Wartung durch die Austrian
Airlines Technik, ein hohe Garantie für Qualität und Zuverlässigkeit des angekauften
Gebrauchtflugzeugs.
Die
ausgemusterten Jets der Austrian Flotte wurden in den vergangenen Jahrzehnten gerne
von Airlines aus den Vereinigten Staaten oder Europa angekauft und flogen noch
viele Jahre zur vollsten Zufriedenheit weiter.
Inzwischen
sind viele der ehemaligen Austrian Airlines Jets in die Jahre gekommen, wurden
verschrottet oder bereits außer Dienst gestellt.
Die ehemaligen
Flugzeuge der DC 9-Serie sind ein gutes Beispiel dafür, wie vielfältig deren
heutige Verwendung noch ist.
Einige davon fliegen
bei osteuropäischen, afrikanischen oder südamerikanischen Airlines, andere
werden wohl nie wieder abheben.

Die Chancen um
mit einer ehemaligen Austrian Maschine zu fliegen, liegen noch besonders hoch,
wenn Sie ein Flugticket bei Kulula oder 1time (beides
südafrikanische Low Cost Airlines), Insel Air
(Niederländische Antillen), Windrose Aviation
(Ukraine), Khors Air (Ukraine), Aero
Mexiko, Royal Falcon (Jordanien), oder Aero Republica Columbia gebucht haben.
Weitere
Austrian Airlines Jets fliegen heute in spezieller Verwendung rund um den Globus.
Sie sind für
Flüge mit wohlhabenden VIP Passagieren in Russland oder als Regierungsflugzeug
für offizielle Vertreter eines afrikanischen Staates vorbehalten.

McDonnell Douglas DC9 Jets
bei Austrian Airlines
Ende der
sechziger Jahre war es notwendig auf modernes und vor allem kostensparendes
Fluggerät umzustellen.
Nach
Überprüfung der zur Auswahl stehenden Flugzeuge (BAC 1-11, Boeing 737 und
DC-9), beschloss der Aufsichtsrat des Unternehmens den Ankauf von neun DC-9-32 (OE-LDA/B/C/D/E/F/G/H/I)
mit 97 Sitzplätzen.
Die
Umstellung auf das neue Flugzeugmuster kam aber nicht von ungefähr: Die
heimische Austrian Airlines befand sich in einer schwierigen finanziellen
Situation und es war unbedingt notwendig, den bisherigen Flottenmix auf ein
einheitliches Flugzeugmuster umzustellen, um Kosten zu sparen.
Eine DC-9-32
kostete damals rund USD 4,9 Millionen (ca. € 3,9 Millionen).
Mit der
Einführung der DC-9-32 am 22.6.1971 wurde ein neues einheitliches Design im
Unternehmen eingeführt.
Der AUA Pfeil
sollte lange Zeit das Unternehmen begleiten.

Der neue Stolz der Austrian Airlines, die
DC-9 © Austrian Airlines
Im Jahre 1971,
als man die erste von neun bestellten Flugzeugen übernahm, verließ die letzte
Viscount 837 die Flotte und die erste von insgesamt fünf Caravelle Jets wurde
zum Verkauf ausgeschrieben.
Bereits im
Jahre 1973, zu diesem Zeitpunkt bestand die Flotte der Austrian Airlines nur
noch aus einer homogenen DC-9-32 Flotte, wurde klar, dass auf manchen Strecken
das Sitzplatzangebot zu gering sei und man zukünftig ein größeres Modell
benötigen würde.
Das
inzwischen neu konzipierte DC-9-51 Modell bot die Möglichkeit, 122 Passagiere in
einer Zweiklassen-Einteilung zu befördern.
Austrian
Airlines und Swissair gehörten zu den Erstbestellern des neuen Flugzeugtyps aus
Long Beach.
Insgesamt
wurden fünf DC-9-51 bestellt (OE-LDK/L/M/N/O) und am 7.9.1975 mit einem
Erstflug nach München, in Betrieb genommen.
Mit dem
Einsatz der neuen Jets bei Austrian wurden so interessante Ziele wie Wien- Larnaca- Bagdad, Doha, Dhahran
und Jeddah, erstmals angeflogen.
Bereits am
13. Oktober 1977 genehmigte der Aufsichtrat des Unternehmens den Ankauf von
DC-9-81 Flugzeugen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der neue Flugzeugtyp noch
in der Entwicklungsphase, Austrian Airlines und Swissair wurden Erstbesteller des neuen Typs.
Der Erstflug
fand am 26.10.1980 mit einem Flug nach Zürich statt.
Swissair und Austrian Airlines übernahmen ihre neuen
Flugzeuge gemeinsam in Long Beach.
DC-9 Jet
Nr.1000 wurde an Swissair und Nr.1001 an Austrian Airlines im Werk übergeben.
Die Flugzeuge
der DC-9 Serien, gehörten zu den erfolgreichsten Mittelstreckenflugzeugen der
damaligen Zeit.

Bei der DC-9-81
handelte es sich um eine nochmals gestreckte Version (45,08m) der DC-9-51,
welche es der Austrian Airlines erlaubte, 135 Passagiere 3200km weit zu
transportieren.
Mit der
Einführung der DC-9-81 wurden im Auftrag der Chartertochter AAT (Austrian Air
Transport) auch Langstreckenflüge eingeführt.
Nach diversen
Umbauten und dem Einbau eines Langstreckennavigationssystems konnten die ersten
Langstreckenflüge starten.
Neben den
Flügen in den arabischen Raum, wurden neue Charterketten für österreichische
Reiseveranstalter nach Sharjah, Mombasa (Kenia) und
Banjul (Gambia) eingeführt.
Mit der Inbetriebnahme
der ersten DC-9-81 im Jahre 1981, wurden die ersten
DC-9-32 zum
Verkauf ausgeschrieben.
Einige davon
kamen zur Texas International, welche später unter den Namen Continental
International bekannt wurde.
Austrian
unterhielt insgesamt 12 DC-9-81 Modelle bevor man die verbesserte
Version, die
MD-82 & 83 bestellte.

Die MD-82
verfügten über ein höheres Abfluggewicht, während die MD-83 über stärkere
Triebwerke des Typs Pratt & Whitney JT8D-219 verfügten. Die beiden
bestellten MD-83 wurden von der Austrian Tochter AAT betrieben und boten zunächst
144 Sitzplätze, wurden jedoch später auf 166 Sitzplätze umgebaut.

Eine der letzten MD-87, die OE-LMO wartet vor
dem Austrian Airlines Hangar auf einen neuen Eigentümer.
Flughafen Wien, 04/2005 © M. Dichler
Als letzten
Zugang der erfolgreichen MD-Serie, beschloss der Aufsichtsrat den
Ankauf von insgesamt sechs MD-87 Flugzeugen mit 107 Sitzplätzen.
Insgesamt
wurden aber nur fünf Stück übernommen, die sechste Bestellung wurde in eine
MD-83 umgewandelt.
Zwei dieser
MD-87 wurden als ER (Extended Range) Versionen ausgeliefert und ersetzten die
letzten verbliebenen DC-9/32 bei Austrian Airlines.
Während die
älteren MD-80/81 Versionen die Airline bereits Mitte der neunziger Jahre das
Unternehmen verließen, wurde die letzte MD-87 erst im Jahre 2007 aus dem österreichischen
Luftfahrtregister gestrichen.
Inzwischen
hatte sich eine neue Generation von Flugzeugen in Europa etabliert.
Die
MD-Flugzeuge konnten in keinerlei Sicht mit den Lärm-/Verbrauchs- und
Abgaswerten eines Airbus A 320 mithalten.
Das DC-9
Nachfolgemuster, die Boeing 717, konnte mit dem aktuellen Airbus-Produkt nicht
mithalten und wurde nur in sehr geringer Stückzahl produziert, bevor Boeing die
Produktion einstellte.
Am 18.10.1990
beschloss der Aufsichtrat den Ankauf von 13 Flugzeugen des Typs A-320/321, die
lange Geschichte der McDonnell Douglas Flugzeuge bei Austrian Airlines, ging
seinem Ende entgegen.


Abschiedsflug des letzten Mc
Donnell Douglas Jets bei Austrian Airlines
© BMFLV via Austrian Airlines

Abschiedsfeier des letzten Mc Donnell Douglas Jets im Austrian Hangar
© M. Dichler
Für höhere Aufgaben
geschaffen
Nachdem viele
ehemalige MD-Jets bei anderen Fluggesellschaften nach ihrem Verkauf eine neue
Karriere begannen, gibt es zwei ehemalige Austrian Airlines MD-Flugzeuge,
welche besonders erwähnenswert sind.
Die OE-LMO (MD-87) mit dem Namen „Bregenz“ wurde
am 30.3.1990 vom Hersteller übernommen und flog bis Ende 2004 im Austrian Airlines
Liniendienst.
Am 31.12.2004
fand der letzte Flug für das Unternehmen nach Tirana statt, bevor das Flugzeug
in Wien für längere Zeit abgestellt war.
Im April 2005
wurde das Flugzeug als N187AS
umregistriert und nach Dallas Ft. Worth
ausgeflogen.
Mit dieser
Registrierung wurde die Maschine im Sommer 2005 an die Firma Aircraft and Engine Support as. verkauft und zum
Centralia Airport in Ontario/Kanada ausgeflogen, wo
das Flugzeug für längere Zeit abgestellt war.
Am Huran Park Airport, einem ehemaligen Flugplatz der kanadischen
Luftwaffe, tauchte die Maschine im Frühjahr 2007 mit neuer Kennung (N960GC) und
neuen Besitzer, einer Investment Firma, wieder auf.
Am dortigen Flugplatz befindet sich das Wartungsunternehmen Goderich Aircraft Inc.
Neben der allgemeinen
Wartung von Flugzeugen, hat sich das Unternehmen auch auf dem Umbau von Jets in
VIP Ausstattung spezialisiert.
Zum damaligen Zeitpunkt war der Umbau des MD-87, eines der größten Projekte in der Geschichte des Unternehmens, wie mir ein Fotograf aus Kanada während der Recherchen bestätigte.

Die ehemalige OE-LMO als N187AS am Centralia Airport in Kanada kurz vor dem Umbau
© George Trussell

Nach einem VIP Umbau präsentiert sich die
TT-ABC als neues Regierungsflugzeug des Tschad.
© Alexandre Dubath
Nach dem
exklusiven Umbau bekam das Flugzeug die Kennung TT-ABC und wurde im Februar 2008 als VIP Flugzeug, an die Regierung
des krisengeschüttelten Tschad,
ausgeliefert!
Der Tschad zählt
zu den ärmsten Ländern, er steht an Nr. 173 unter den 177 ärmsten Ländern der
Welt.

© Alexandre Dubath
Während die
Bevölkerung des Landes weiter hungert und durch eine internationale
Schutztruppe vor Rebellen geschützt werden muss, investierte der Präsident des
Landes in seinen eigenen Business Jet.
Finanziert
wurde der Jet vermutlich aus den Petroldollars von Exxon und Chevron, welche
seit 2003 Erdöl im Land fördern.

Die OE-LML ist heute ebenfalls für VIP´s unterwegs © M. Dichler
Eine zweite
MD-87ER, die OE-LML kam am
23.12.1987 zur Austrian Flotte und flog unter den Namen „Salzburg“ bis zum 30.12.04
(DUS-VIE) beim Unternehmen.
Während ihrer
aktiven Zeit bei Austrian wurde die Maschine für zwei Monate an Air Sicilia vermietet und mit dessen Logo versehen.
Das Flugzeug wurde
genauso wie die LMO an die Holdingfirma Aircraft and
Engine Support LCC verkauft und am 1.4.2005 in N184AS umregistriert.


Kaum zu
glauben, aber bei dieser Maschine handelt es sich um die ehemalige OE-LML
© Gerard Isaacson

Die VIP Ausstattung für nur 19 Passagiere
© Gerard Issacson

Eine Karaoke-Maschine und ein exklusives Inflight Entertainment System durften nicht fehlen.
© Gerard Issacson
In weitere
Folge übernahm der Flugzeughändler Dan Piraino die
Maschine und registrierte die MD-87ER als N871DP (die Initialen des neuen
Eigentümers) um.
Das
Unternehmen des neuen Eigentümers (www.tridentas.com)
hat sich auf den Ankauf und Umbau in VIP Flugzeuge der Typen Boeing, McDonnell
Douglas, Dornier und BAe spezialisiert.
Dan Piraino ist ein smarter Boeing 767 Pilot mit 13.000
Flugstunden Erfahrung, welcher als zweites Standbein Flugzeuge An und Verkauft.
Während der
Recherche ist der Verfasser des Artikels mit dem ehemaligen Eigentümer der OE-LML
in Kontakt getreten und war verwundert, wie offen dieser über seinen damaligen Deal
erzählte!
Nachdem ich
meine Verwunderung darüber, ihm gegenüber kundtat, antwortete er:
„Martin, You must remember one thing - I am an aircraft enthusiast too!!!!“ 
In knapp 10 Monaten wurde aus dem AUA-Jet ein Business Jet. © Copyright Gerard Issacson
Gerade einmal
zwölf Monate vergingen von der Planung des Designs, dessen Umbau in eine VIP
Version für 19 Fluggäste und der Abnahme durch die Amerikanische
Luftfahrtbehörde FAA.
Die Maschine
wurde von einer texanischen Firma umgebaut und zählte zum damaligen Zeitpunkt
zu einer der ersten Aufträge dieser Art.
Das Flugzeug
wurde mit vielen interessanten Details ausgestattet, darunter einem Entertainment
System und einer Karaoke-Maschine.
Insgesamt
vergingen zehn Monate für den Umbau und der Neuzulassung.
Nach knapp
einem Jahr wurde die Maschine als P4-AIR (Aruba) umregistriert und für ca. USD
13 Mio., an die Holding Firma Siveria, mit Sitz auf
den Bermudas veräußert.
Die Firma Siveria ist eine Holdingfirma des russischen Finanzunternehmens
Sistema mit Sitz in Moskau.
Mehrheitseigentümer
der Sistema Group ist Wladimir Petrowitsch Jewtuschenkow, einer der reichsten Menschen
Russlands.

Noch heute
ist die Maschine öfters in Österreich anzutreffen, zuletzt Ende 2008
in
Innsbruck, oder wie hier am Flughafen Wien.
© Thomas Posch
Er ist mit
der Schwester von Yelena Baturina verheiratet, die
von Forbes als reichste Frau Russlands geführt wird.
Diese
wiederum ist mit dem Moskauer Bürgermeister Juri Michailowitsch
Luschkow verheiratet.
Doch keine
Sorge, auch die russische Wirtschaft wurde von der aktuellen Wirtschaftskrise
hart getroffen.
Laut einem
Online Wirtschaftsmagazins, erwirtschafte die Finanzgruppe noch im Jahr 2007 einen Gewinn von 711 Mio. USD, bereits im dritten Quartal 2008 musste jedoch ein Verlust von 3,6 Milliarden USD
bekannt gegeben werden.
Ob die
ehemalige Austrian MD-87 noch lange in Russland für die Oligarchen fliegen wird
sei dahin gestellt?
Ich
bedanke mich für das Zustandekommen dieses Berichts bei folgenden Personen:
The
author wishes to thank Alexandre Dubath, Georg Trussell, Thomas Posch, Gerard Isaacsion,
Dan Piranio and Rainer Selisko
(www.ipms.at)
for their support in preparing this article!
PS: Dieser
Artikel wurde aufgrund von Internet-Recherchen zusammengestellt.
Der Verfasser
gibt keine Garantie für die Vollständigkeit aller Angaben!
Martin Dichler