Deutschlands
neuer „Superstar“
Die Deutsche
Lufthansa Berlin Stiftung, bekannt geworden durch ihre Junkers 52 welche
regelmäßig auch Österreich besucht, arbeitet derzeit an der Geburt eines neuen
Superstars, einer Lockheed L1649A.
Dieser
„Superstar“ wurde bei der Deutschen Lufthansa ab November 1958 vorwiegend auf
den Nordamerika Strecken eingesetzt und verfügte über insgesamt 32 Sitzplätze.
In den
damaligen Zeiten war das Reisen mit einer „Superstar“ den hauptsächlich
wohlhabenden Kundenkreisen vorbehalten.
Diese konnten
sich jedoch auf einen Flug in 20 bequemen Deluxe- und
12 First Class Plätzen freuen und ihren Langstreckenflug genießen.
Vier der 12
First Class Plätze konnten auch zu Betten umgebaut werden, ein Luxus der bis
dahin für die meisten Passagiere kaum vorstellbar war.

Die „Superstar“ ab 1958 im Dienste der Lufthansa in Ergänzung zur
„Super Connie“
Nachdem die Deutsche
Lufthansa nach dem Krieg den kommerziellen Flugbetrieb aufnehmen durfte, wurden
zunächst Flugzeuge der Type Lockheed 1049G Super Constellation
für Langstreckenflüge angeschafft. Erst im Jahre 1958 kamen noch vier Stück der
Superstar Version, mit verlängerter Reichweite zur Flotte hinzu.
Boeing baute zu
diesem Zeitpunkt bereits an der ersten Boeing 707 und als die neuen Düsenjets
ihren Siegeszug starteten, wurden die Starliner schon bald auf den
Langstreckenflügen abgelöst.
Für zwei der Lufthansa
Maschinen begann aber eine neue Karriere als Frachtflugzeug, im Dienste des
Kranichs.
Der bekannte
Luftfahrtpionier Howard Hughes sollte der Wegbereiter der Constellation
werden, als er 1939 seine Pläne für das neue superschnelle Flugzeug bei
Lockheed vorstellte.
Zwischen 1943
und 1958 wurden insgesamt 856 Flugzeuge aus der Baureihe Constellation,
Superconstellation und Starliner/Superstar gebaut.
Die L1649A,
von der nur 44 Stück gebaut wurden, verfügte über eine unglaubliche Reichweite
von 11.300km und ermöglichte es, nonstop Langstreckenflüge zwischen Deutschland
und den USA erstmals anzubieten.
Das Flugzeug
verfügte im Vergleich zu ihrem Vorgängermodell der Constellation,
um einen 0,7m gestreckten Rumpf. Der große Unterschied lag in der geänderten
Flügelkonstruktion, diese bekam eine auf 45,7m2 vergrößerte Spannweite und
eckige Flügelenden.
Der Erstflug
einer L.1649A Starliner fand am 10.Oktober 1956 statt.
Am 1. April 1955
wurde die DLH wieder neu gegründet und bereits am 8. Juni nahm man mit der ersten
Super Constellation den Nordatlantik Verkehr auf.
Mit einer
L.1049G flog man max. 77 Passagiere in nur 17 Stunden auf der Route Düsseldorf-Shannon-New
York.
Am 15. August
1956 wurde mit der Super Connie die Strecke Hamburg-Frankfurt-Paris-Dakar-Rio-Sao
Paulo nach Buenos Aires eröffnet.

Die ersten Lufthansa „Super Connies“ in der
Frankfurter Werft
Die Lufthansa
hatte nach dem Krieg und dem daraus resultierenden Flugverbot einiges an
Know-how aufzuholen, weshalb die Kriegsgegner von einst, zu den Flugausbildern
der Neuzeit wurden.
Viele junge
DLH Piloten verdienten sich ihre ersten Deutschmark unter der Leitung
amerikanischer und englischer Kapitäne.
Rudolf
Braunburg, Schriftsteller und ehemaliger LH Pilot schildert in seinem Buch „Die
Geschichte der Lufthansa“, die oft sehr widrigen Umstände für junge deutsche
Piloten.
Wie wesentlich meine Rolle als Relief
(Co) Pilot für den Fortbestand der modernen Luftfahrt war, wurde mir gleich auf
meinen ersten Flug nach Rio de Janeiro bewusst. Vor diesem großen Ereignis war
ich folgendermaßen belehrt worden:
Sie sind nun durch ein hartes Training
gegangen. Vergessen Sie nicht, dass Sie nach dem Kapitän der wichtigste Mann an
Bord sind.
Auf meinen Flug nahm der Kapitän -
damals gab es in dieser Funktion nur Amerikaner und Engländer - neben den
zweitwichtigsten Mann an Bord Platz und sprach die folgenden Worte zu mir. „Wer
auch immer Sie sind, merken Sie sich eins: Berühren Sie nie irgendetwas in
diesem Cockpit! Dies ist ein großes Schiff. Sie werden nie lernen, es zu
fliegen!
Es waren die einzigen Worte, die er
auf dem 26-Stunden Flug zu mir sprach. Ich saß neben ihm und hatte 26 Stunden
lang Zeit, zu denken: Entlastungspilot! Stellvertreter des Kapitäns!
Verantwortung! Ich dachte: irgendwann wird er sich schlafen legen oder
wenigstens die Beine vertreten. Dann werde ich das Flugzeug übernehmen und der
wichtigste Mann im Cockpit sein. Aber er saß neben mir. Er saß neben mir über
Biarritz, über den Kanarischen Inseln, über Cap Yubi.
Er saß auch nach der Zwischenlandung in Dakar wieder neben mir, und wenn ich
gähnte oder das linke Bein vorsichtig verstellte, blickte er, wie von einer
Tarantel gestochen, in panischen Schrecken zu mir herüber.
Endlich jedoch über dem Äquator, kam
Bewegung in ihn. Ah, dachte ich, jetzt kommt deine große Minute! Der Kapitän
muss mal! Ich setzte mich gerade, bereit mit markigen Händen das Steuer zu
umgreifen, denn diesen Autopiloten kann man doch nie trauen. Dann erhob sich
mein Kapitän und gab dem Bordingenieur Anweisungen. Und als er ihm die
Anweisungen für all jene Notfälle gegeben hatte, die zu bewältigen eigentlich
meine Aufgaben gewesen wäre, schob er, ohne mich zu beachten, meinen linken Arm
beiseite, zeigte auf meine Instrumente und Hebel und wies den Ingenieur an,
ruhig herüberzulangen und besonders meine Instrumente mitzubeobachten.
Dann verschwand er und war zurück in
einer Rekordzeit, die jeder Biologie anzweifeln würde. Ich war aber froh und
dankbar, dass er für die Zeit seiner Abwesenheit nicht den Steward auf seinen
Platz geholt hatte!
Wie man
anhand dieses unterhaltsamen Erlebnisberichtes erkennen kann, waren nicht nur
die Zeiten für die Lufthansa nach dem Krieg sehr schwierig, auch dessen Piloten
hatten mit so manchen Vorurteilen zu kämpfen.
Lufthansa Berlin
Stiftung übernimmt drei Superstar im Jahre 2007
Im Dezember 2007 übernahm die
Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung drei Superstar Flugzeuge und weitere 13
Motoren um eine flugfähige Maschine aufbauen zu können.
Die Flugzeuge
wurden bei einer Auktion in den Staaten um insgesamt USD 748.000,- erstanden.
Eines der
Flugzeuge soll bis 2010 wieder flugfähig gemacht werden, während die beiden
anderen, als Ersatzteilspender dienen sollen.
Bei den
Maschinen handelte es sich um eine ehemalige Lufthansa Maschine mit dem
Kennzeichen D-ALAN, sowie um zwei ehemalige TWA Flugzeuge.
Leider konnte
die Original LH Maschine, die zuletzt als Frachter benutzt wurde, nicht mehr
aufgebaut werden. Es gibt aber das Bestreben, möglichst viele Komponenten der
Maschine in die fliegende Superstar einzubauen.
Die Wahl für
das fliegende Exemplar fiel auf eine ursprünglich für TWA gebaute Maschine mit
dem Kennzeichen N7316G.
Um die
umfangreichen Instand- und Umrüstungsarbeiten ausführen zu können, wurde am
Flughafen Auburn, im Bundesstaat Maine eine eigene
Wartungshalle gebaut.
Im
vergangenen Dezember konnte die neue Werfthalle ihrer Bestimmung übergeben
werden und seit diesem Zeitpunkt arbeitet man fieberhaft daran, dass Flugzeug
flugfähig zu machen.
Nachdem man
heutzutage mit einem Cockpit der 50er Jahre keinerlei Zulassung einer
Luftfahrtbehörde bekommen würde, hat man sich dazu entschlossen, der Superstar
ein völlig neues Cockpitdesign zu verpassen.

Ab 2010 soll Sie wieder fliegen - eine Menge
Arbeit wartet noch auf die Mechaniker bis dahin!
Vier moderne
Bildschirme werden ähnlich einer aktuellen Cockpitinstrumentierung, alle
wichtigen Flugdaten liefern.
Zusätzlich sollen
aber auch noch Back-up Rundinstrumente, den nötigen historischen Glanz der
Superstar geben.
Der
wesentliche Teil der Umbauarbeiten wird in Auburn
vonstatten gehen, dennoch wurde die bekannte Lufthansa Technik auch mit
Instandsetzungsarbeiten beauftragt.
So erhielt
man den Auftrag, dass Haupt- und Bugfahrwerk bei Lufthansa Technik Hamburg zu
warten. Diese Arbeiten sollen bis September abgeschlossen sein.
Am 26. Mai
kam die zweite Lockheed L-1649A zu ihrem neuen Standplatz vor dem Hangar der LH
Berlin Stiftung in Auburn.
Die Maschine
mit dem ehemaligen Kennzeichen N8083H wurde nach ihren Einsatz bei TWA, an
Alaska Airlines im Jahre 1962 verkauft und für Frachtflüge verwendet.
Nach einen
kurzen Zwischenspiel in Lateinamerika wurde die Maschine im Jahre 1986 wieder
in die USA verkauft.
Eines der
größten Probleme ist natürlich die Organisation von Original Ersatzeilen. Bei
der Suche nach Passagiertüren kam die Hilfe des South African Airways Museum
sehr gelegen. Das Museum in Johannesburg bot auf Anfrage der LH Berlin Stiftung
an, jene original Passagiertüren der ehemaligen D-ALOL zu verwenden und erhielt
im Gegenzug, in Hamburg angefertigte Rebliken, für
ihre nicht mehr flugfähige Maschine.
Bleibt zu
hoffen, dass es wirklich gelingt das ca. € 20 Millionen teure Projekt bis Ende
2010 zu realisieren - ganz Europa wartet auf den neuen Deutschen Superstar!
Martin Dichler
Ich bedanke mich bei Herrn Thomas
Erich (Lufthansa Technik) und Jan Thomalla (Lufthansa Berlin Stiftung) für ihre
Unterstützung für diesen Bericht.
Fotos:
Lufthansa Technik, Lufthansa Pressestelle
Weitere aktuelle
Informationen zu diesem Thema bietet die Homepage der Deutschen Luftfhansa Berlin Stiftung unter; www.dlbs.de