Aus für NIKI !

Am Abend des 13. Dezember überschlugen sich die Ereignisse rund um die Fluglinie NIKI nachdem bekannt wurde das der deutsche Lufthansa Konzern sein Übernahmeangebot für die Fluglinie zurück zog. Mit der Rücknahme des Angebots wurden auch alle Zahlungen an das Unternehmen eingestellt. Gerüchte sprechen hier von 10 Millionen Euro pro Woche!

Die Rücknahme des Angebots durch die LH Gruppe durch die neu geforderten Auflagen der EU Kommission für Wettbewerb, sowie die daraus resultierende Insolvenz des im Jahr 2003 von Niki Lauda gegründeten Fluglinie, sorgte nicht nur für Wirbel in den Abendmeldungen, sondern bedeutete noch viel schlimmer den Wegfall von nahezu 1000 Arbeitsplätzen in der österreichischen Luftfahrtbranche so kurz vor Weihnachten. Am Abend des 13. Dezember ging mit der Landung des Niki Flug HG 2601 aus Teneriffa kommend, eine mehr als 14-jährige Erfolgsgeschichte unnötig zu Ende!

In einer Aussendung verlautbarte zuvor noch die Fluglinie ihr bevorstehendes Ende:

Die NIKI Luftfahrt GmbH, kurz NIKI, hat heute beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Das bedeutet:

  • für Passagiere, die über einen Reiseveranstalter gebucht haben: NIKI bittet diese Passagiere, sich mit ihrem Reiseveranstalter in Verbindung zu setzen. Der Reiseveranstalter ist für die Beförderung dieser Passagiere zuständig.
  • für Passagiere, die direkt bei NIKI gebucht haben: Die Luftverkehrsbranche erarbeitet derzeit eine Lösung, wie Passagiere aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und die Schweiz zurückgebracht werden können. Ein Update dazu folgt in Kürze.
  • für die Mitarbeiter: Die Mitarbeiter werden auf Betriebsversammlungen über die weiteren Schritte informiert.
  • für die Flüge der NIKI: Die Flüge der NIKI werden mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Weitere Flüge der NIKI sind nicht mehr buchbar. Der Flugplan der NIKI verliert seine Gültigkeit.

Oliver Lackmann, Geschäftsführer der NIKI, sagt: „Das Ende der NIKI ist ein nationales Desaster für Österreich. Aufgrund des Neins der Europäischen Kommission gegen den geplanten Verkauf der NIKI an die Lufthansa Gruppe verlieren 1.000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.“

Auslöser für den heute erfolgten Schritt ist das Nein der Europäischen Kommission zum Verkauf der NIKI an die Lufthansa Gruppe wegen angeblicher Einschränkungen des Wettbewerbs.

Rückblick:

  • Am Mittwoch, 29. November 2017, deutete EU-Kommissarin Vestager gegenüber den Beteiligten an, dass ein Verkauf der NIKI an die Lufthansa Gruppe in der vorliegenden Form nicht genehmigungsfähig sei, da es mit den potenziellen Bietern IAG und Condor/Thomas Cook valide Alternativen gegeben habe.
  • Daraufhin hat die Lufthansa Gruppe weitere Zugeständnisse bei der Europäischen Kommission eingereicht. Die NIKI-Muttergesellschaft airberlin hat erneut Kontakt zu den potenziellen Interessenten IAG und dem Bieterkonsortium um den Reiseveranstalter Thomas Cook aufgenommen. Das Ergebnis: IAG teilte airberlin schriftlich mit, dass sie kein Kaufinteresse mehr an der NIKI hat. Auch die erneuten Gespräche mit dem Bieterkonsortium um den Reiseveranstalter Thomas Cook haben nicht zur Unterbreitung eines tragfähigen Alternativangebots geführt.

 

Obwohl es also keine valide Alternative zum Verkauf der NIKI an die Lufthansa gab, erteilte die EU-Kommission am Dienstag, 12. Dezember 2017, dem Verkauf von NIKI an Lufthansa eine Absage.

  • Lufthansa hat daraufhin die im Kaufvertrag bis zum Abschluss der kartellrechtlichen Untersuchung vereinbarten Übergangszahlungen an NIKI mit sofortiger Wirkung eingestellt. Damit fehlen dem Unternehmen die notwendigen liquiden Mittel zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs sowie eine positive Fortführungsprognose. Der Insolvenzantrag war daher alternativlos.

 

Hintergrund: Die insolvente Air Berlin Luftverkehrs KG hatte ihre Tochtergesellschaften NIKI und Luftverkehrsgesellschaft Walter (LGW) im Ergebnis eines strukturierten und transparenten Bieterverfahrens am 12. Oktober 2017 an den einzigen Bieter mit einem tragfähigen Angebot, die Lufthansa Group, verkauft. Seit diesem Zeitpunkt konnte NIKI nur durch finanzielle Unterstützung der Lufthansa Group in zweistelliger Millionenhöhe überleben. Der geplante Verkauf beinhaltet auch eine Lösung für die 14 von der airberlin bei der TUI geleasten Flugzeuge.

 

Auch der Generalbevollmächtigte der airberlin Frank Kebekus nahm in einer Aussendung Stellung zum Ende von NIKI:

 

„Das Scheitern des NIKI-Verkaufs und die Insolvenz der NIKI Luftfahrt GmbH sind höchst ärgerlich und wären vermeidbar gewesen. Die Position der Europäischen Kommission ist nicht nachvollziehbar. Lufthansa hat als einziger Bieter mit einem validen Angebot am Ende eines fairen und transparenten Verfahrens den Zuschlag erhalten. Lufthansa hatte als einziger Bieter Lösungen für die komplexen Themen „Wet Lease Vertrag für die 14 TUI Flugzeuge“ und „Forderungen von Etihad“ auf den Tisch gelegt. airberlin hatte nach den ersten Bedenken der Europäischen Kommission erneut Kontakt zu den potenziellen Interessenten IAG und dem Bieterkonsortium um den Reiseveranstalter Thomas Cook aufgenommen. Das Ergebnis: IAG teilte airberlin schriftlich mit, dass sie kein Kaufinteresse mehr an der NIKI hat. Auch die erneuten Gespräche mit dem Bieterkonsortium um den Reiseveranstalter Thomas Cook haben nicht zur Unterbreitung eines tragfähigen Alternativangebots geführt. Die Kommission wusste also, dass es gar keine Alternative zum Verkauf der NIKI an die Lufthansa gab. Wir müssen nun die entstandene Situation genau analysieren und die nächsten Schritte beraten. Eine vollständige Rückzahlung des KfW-Kredits ist unwahrscheinlicher geworden. Die Kommission erreicht mit dem unkontrollierten Zusammenbruch der NIKI das genaue Gegenteil dessen, was sie beabsichtigt: Mit der NIKI verschwindet von heute auf morgen weitere Kapazität aus dem Markt. Es wird weniger Wettbewerb geben statt mehr.“

 

Martin Dichler