Branchentalk EVA AIR

Eine ganze Industrie ist durch den Ausbruch der Covid-19 Epidemie innerhalb von nur weniger Tage in die Krise gestürzt worden. In den letzten Wochen mussten immer mehr Fluglinien ihre Verbindungen nach Österreich einstellen.  Der traveller spricht in einer neuen Interviewserie mit Vertretern der Branche über die aktuelle Lage.

Heute im Gespräch: Edward HO (EVA AIR General Manager Austria/CEE)

traveller:

EVA AIR hat im März die Flugverbindung nach Wien eingestellt, wie waren die letzten Tage und konnten Sie noch viele Österreicher nachhause bringen?

Edward HO:

In den letzten Tagen vor dem „Lockdown“ hatten wir sehr viel zu tun, vor allem die Kollegen und Kolleginnen des Service Centers, die alles getan haben, um die Passagiere im Ausland zu erreichen. Wir haben zahlreiche Umbuchungen durchgeführt, um unsere Passagiere vorzeitig bzw. rechtzeitig vor dem Lockdown von ihren Reisen und Urlauben in Asien zurückzuholen. Wir haben es sehr bedauert, dass wir durch den erzwungenen, plötzlichen Stillstand ab 23. März nicht noch mehr Passagieren helfen konnten, zurückzufliegen.

Unser Headquarter hat in diesen Tagen auch eine eigene Website für Fragen rund um die Flugplanänderungen, Flugausfälle und Umbuchungen eingerichtet, um den Passagieren schnelle Informationen und Hilfe bieten zu können: https://www.evaair.com/en-global/emer/2019-nCoV.html

Am 16.April haben Sie nun wieder den regulären Flugbetrieb zwischen Taipeh und Wien wenn auch nur für Frachtflüge aufgenommen. Hat es sich bei der Fracht um medizinische Güter gehandelt?

Die Durchführung von Frachtflügen ist im Moment eine gute Alternative in diesen schwierigen Zeiten. Im Moment verwenden wir unsere Dreamliner Boeing 787-9 und -10 für die Frachttransporte. Im Hinblick auf Kapazitäten, Treibstoffverbrauch und Reichweite ist das das ideale Fluggerät für die Wien-Strecke. Darüber hinaus ist der Flughafen Wien ein wichtiger Hub und gibt uns eine gute Möglichkeit, unsere Services anzubieten und die Anforderungen der Frachtpartner zu erfüllen. Ab Mai planen wir drei wöchentliche Frachtflüge und evaluieren auch, ob die Passagierkabine für Frachtgut verwendet werden soll.

Ja, wir fliegen im Moment hauptsächlich medizinische Güter nach Österreich aber auch Pharmaprodukte sowie elektronische Güter.

Wann rechnen Sie frühestens wieder mit der Aufnahme von Passagierflügen?

Wir hatten geplant, die drei wöchentlichen Flüge von Taipeh via Bangkok nach Wien und v.v. ab Mai auch für Passagiere aufzunehmen, müssen diese Pläne aber verschieben. Wir können auf jeden Fall Frachtflüge durchführen. Ob und wann Passagiere reisen können, hängt von weiteren Verordnungen und Entscheidungen der jeweiligen Regierungen der Länder ab bzw. welche Maßnahmen im Reisebereich gesetzt werden. Unser Headquarter beobachtet und verfolgt die Situation in Österreich täglich sehr genau. Sobald Reisen wieder erlaubt ist, sind wir bereit.

Die Bundesregierung gibt sich eher pessimistisch betreffend der Reisemöglichkeiten im heurigen Jahr. Rechnen Sie wieder mit einer Nachfrage für Flüge nach Bangkok und Taipeh?

Menschen reisen sehr gerne. Unsere oberste Mission muss sein, dass sie sicher und gefahrlos reisen können. Auch wenn es wichtig ist, die Nachfrage im Auge zu behalten, müssen wir als Airline intern immer wieder Arbeitsprozesse überprüfen, mit Partnern wie Flughäfen und Handling Agents zusammenarbeiten, den Regierungsbestimmungen folgen, um für diese Reisesicherheit zu sorgen und das Vertrauen der Passagiere ins Reisen zu erhalten. Beweisen wir, dass wir unsere Aufgaben mit Sorgfalt erledigen, kehrt sicher auch bald die Nachfrage für Flüge und Reisen zurück.

Wie sieht der Arbeitsalltag ihres Eva Air Teams in Wien derzeit aus, hat ihr Büro am Flughafen geöffnet oder arbeiten die Kollegen in Kurzarbeit von zuhause aus?

Unser Büro am Flughafen ist in Betrieb, aber nicht für den Kundenverkehr geöffnet; wir arbeiten aus Sicherheitsgründen hauptsächlich von zuhause aus und begrenzen die Arbeitszeit im Büro auf ein notwendiges Minimum. Für die Abfertigung der Cargoflüge sind unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen natürlich mit den notwendigen Schutzmaßnahmen (Mund-Nasen-Maske, Sicherheitsabstand, etc.) im Einsatz.

Welche Einschränkungen gibt es im restlichen Eva Air Streckennetz aufgrund der Covid-19 Krise?

Unser Headquarter in Taipeh evaluiert jeden Tag die aktuelle Situation im Hinblick auf Einreise- und Transferbestimmungen. Alle Abteilungen prüfen regelmäßig die neuesten Informationen und passen die Flugpläne entsprechend an. Leider ist fast das gesamte Netzwerk von den Covid19-Auswirkungen betroffen, aber wir stornieren und ändern fast täglich Flüge und nehmen Flüge auch wieder auf – alles mit größtmöglicher Flexibilität und größtmöglichen Anstrengungen. Auf jeden Fall führen wir Flüge in der derzeitigen Situation mit sehr großer Sorgfalt und sehr großem Verantwortungsbewusstsein durch.

Martin Dichler

 

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