Der Luftverkehrsmarkt zwischen Österreich und der Schweiz

von Dieter Haselsteiner

Historie, Status quo und Perspektiven

Die Flugverbindungen zwischen Österreich und der Schweiz sind seit Jahrzehnten geprägt von einem klaren Monopol einzelner Airlines, wobei der Schwerpunkt auf den Hub-Strecken Wien–Zürich liegt. Ein Blick auf die Historie, aktuelle Entwicklungen und mögliche Zukunftsperspektiven zeigt die Besonderheiten dieses Marktsegments.

Historische Entwicklung

Wien–Zürich: Dominanz von Swiss und Austrian Airlines

Die direkte Flugverbindung Wien–Zürich ist mit einer Luftlinie von 605 km und einer Flugzeit von etwa einer Stunde eine der meistbeflogenen Routen zwischen Österreich und der Schweiz. Bereits seit der Gründung von Swiss International Air Lines im Jahr 2002 (als Nachfolgerin von Swissair) wird die Strecke kontinuierlich bedient. Austrian Airlines bietet im Codeshare mit Swiss acht Flüge täglich an. Dabei spielt nicht nur der Punkt-zu-Punkt-Verkehr eine Rolle, sondern auch der Umsteigverkehr an den Hubs Wien (Austrian, Star Alliance) und Zürich (Swiss, Edelweiss Air, Star Alliance).

Mit der Integration von Swiss in die Lufthansa Group im Jahr 2006 und der mehrheitlichen Übernahme von Austrian Airlines im 2009 (Vollübernahme 2012) sind beide Airlines in einem Konzernverbund, was den Wettbewerb auf der Strecke zusätzlich reduziert. Die Destination Zürich zählt seit vielen Jahren zu den Top-10-Zielen ab Wien in Bezug auf das jährliche Passagieraufkommen.

Weitere historische Akteure

Auf der Wien–Zürich-Strecke war von 2003 bis 2017 auch Niki aktiv. Die Airline, als Teil von Air Berlin, flog bis zu viermal täglich mit Flugzeugen der Airbus-A320-Familie sowie Embraer 195 Regionaljets. Citystrecken wie Wien–Zürich waren ein zentraler Bestandteil der Geschäftspolitik von Niki.

Neben Wien wurden in der Vergangenheit auch dezentrale Verbindungen betrieben. Von Graz aus flog Robin Hood von 2007 bis 2011 mehrmals wöchentlich nach Zürich mit Saab 340, zusätzlich wurden Strecken von Linz und Klagenfurt nach Zürich bedient. Auch Darwin Airlines (als Etihad Regional) flog von Juni 2014 bis Februar 2015 von Linz nach Zürich.

Für regionale Nebenstrecken existierte in der Vergangenheit Austrian Airlines’ Engagement in Altenrhein (ACH). Nach der Übernahme der Rheintalflug durch Austrian Airlines 2001 wurde die Strecke bis 2013 fortgeführt, heute wird sie nur noch von People’s Airlines bedient (seit 2011), teils mehrmals täglich. Kurzfristig existierte Lugano als Ziel: Minoan Airlines aus Griechenland flog von März bis September 2013 mit Fokker 50 mehrmals wöchentlich. Bern hingegen ist schon länger nicht mehr im Angebot, InterSky und SkyWork Airlines betrieben die Strecke von 2002 bis 2004 bzw. 2011 bis 2018 (Dornier 328).

Alternative Verkehrsträger

Auf der Strecke Wien–Zürich stellen Schiene und Straße nur begrenzte Alternativen dar: Mit dem Railjet dauert die Reise etwa 8 Stunden, mehrmals täglich angeboten, für Tagestermine ungeeignet. Mit dem Auto beträgt die Fahrzeit rund 9 Stunden, abhängig von Verkehr und Pausen. Möchte man nach Bregenz in Vorarlberg mit dem Zug alternativ zum Flug nach St. Gallen/Altenhrein, so sind hierfür knapp unter 7h an Fahrzeit einzuberechnen. Zugfahrten nach Genf (ab Wien ca. 10h) und nach Basel (ca. 9h) stehen dann nicht mehr als Alternative zum Flug zur Diskussion.

Entwicklung auf Nebenstrecken: Genf und Basel

EasyJet Switzerland bediente die Route von Genf nach Wien von 2004 bis 2020, teils mehrmals wöchentlich mit Airbus-A320-Familie. Zwischen 2007 und 2010 sprang die Schweizer Regionalairline Flybaboo ein und flog mit Bombardier Dash 8-400. Austrian Airlines bedient Genf–Wien derzeit bis zu viermal täglich. Das Passagieraufkommen lag 2024 bei rund 177.000 Abflügen ab Genf (2023: 168.000). Wien liegt damit deutlich außerhalb der Top-20-Destinationen des Flughafens Genf. Auf der Strecke Basel–Wien flog EasyJet Switzerland von 2004 bis 2011 sowie von 2018 bis 2019 mehrmals wöchentlich; Austrian Airlines bedient die Strecke heute zweimal täglich. Auf den Hauptstrecken nach Zürich, Genf und Basel operiert Austrian Airlines ausschließlich im Codeshare mit Swiss bzw. innerhalb der Star Alliance.

Gegenwärtige Situation

Die Hauptlast des Luftverkehrs zwischen Österreich und der Schweiz liegt klar auf den Hubs Wien und Zürich. Die Nebenstrecken, etwa Altenrhein, Linz oder Graz, werden nur punktuell bedient, teilweise mehrmals wöchentlich oder täglich. Die Marktposition von Austrian Airlines und Swiss auf den Hauptstrecken ist quasi monopolartig. Ryanair spielt auf Zürich keine Rolle; die Airline bedient die Schweiz lediglich über Basel.

Für alternative Anbieter, insbesondere Low-Coster, bestehen Potenziale vor allem im Punkt-zu-Punkt-Verkehr auf Wien–Zürich, Wien–Genf und Wien–Basel. Für dezentrale Strecken, etwa Linz–Zürich oder Graz–Zürich, gibt es ebenfalls Chancen, da diese Flughäfen durch den Wegfall anderer Verbindungen keinen direkten Hub-Anschluss mehr bieten. Helvetic fliegt beispielsweise mehrmals wöchentlich ab Graz nach Zürich im Auftrag von Swiss.

Zukunftsperspektiven

Das Monopol von Austrian Airlines und Swiss macht die Routen für alternative Anbieter attraktiv, insbesondere EasyJet Switzerland als logischer Kandidat für eine mögliche Marktöffnung. Durch die Erfahrung von Condor als „Eisbrecher“ auf der Strecke Wien–Frankfurt könnte ein ähnlicher Ansatz auf den österreichisch-schweizerischen Strecken funktionieren. Für Nebenstrecken bleibt das Potenzial gering, abgesehen von Linz–Zürich, das wie Graz mehrmals wöchentlich oder täglich bedient werden könnte. Insgesamt bleibt der Markt zwischen Österreich und der Schweiz stark huborientiert, mit Punkt-zu-Punkt-Potenzial vor allem für Low-Cost-Anbieter